Wolfgang-Hahn-Preis

Eine besondere Auszeichnung

Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis zeichnet die Gesellschaft für Moderne Kunst jährlich außergewöhnliche zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus. Das Preisgeld in Höhe von maximal 100.000 Euro fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe des Künstlers oder der Künstlerin zugunsten der Sammlung des Museum Ludwig. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden außerdem mit einer Ausstellung im Museum sowie der Herausgabe einer begleitenden Publikation gewürdigt.

Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern

Kriterien sind die konsequente Weiterentwicklung des künstlerischen Schaffens über Jahrzehnte hinweg und die internationale Anerkennung in der Fachwelt. Ausgezeichnet werden Künstlerpersönlichkeiten, die in Deutschland noch wenig bekannt sind und deren Werk noch nicht adäquat im Museum Ludwig vertreten ist. Die Jury setzt sich aus dem Direktor des Museum Ludwig, einem Gastjuror oder einer Gastjurorin sowie den Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft für Moderne Kunst zusammen.

Der Name des Preises ehrt das Andenken an den Kölner Sammler und Gemälderestaurator Wolfgang Hahn (1924–1987), der sich in vielfältiger Hinsicht für die Kunst der europäischen und amerikanischen Avantgarde in Köln engagierte. Seinem vorbildlichen Wirken als Sammler, als Gründungsmitglied unserer Gesellschaft und als Leiter der Restaurierungswerkstätten des Museums fühlen wir uns verpflichtet.

Seit 2016 fördern die Unternehmensgruppe BAUWENS und die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz den Abend der Preisverleihung und die Erstellung einer Publikation zur Erwerbung. Von 2011 bis 2015 unterstützte die Bank Julius Bär den Wolfgang-Hahn-Preis.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger:

Trisha Donnelly 2017

Die Gesellschaft für Moderne Kunst zeichnete Trisha Donnelly mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 2017 aus.

Suzanne Cotter, die diesjährige Gastjurorin und Direktorin des Museum Serralves für zeitgenössische Kunst in Porto sagte zur Wahl: „Wenige Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst inspirieren so wie der Wolfgang-Hahn-Preis Köln. Es ist eine große Freude, dass er in diesem Jahr an Trisha Donnelly geht. Trisha Donnelly gehört zu den überzeugendsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Ihr Werk ermöglicht es, Form völlig neu zu erfahren und zu durchdenken. Es ist mitreißend auf seine zugleich synästhetische und verstörende Weise. Diese Künstlerin widersetzt sich entschieden der leichten Konsumierbarkeit einer gezügelten und letztlich kontrollierten Kunst. Gerade die außerordentliche Großzügigkeit ihres Werks, die das Visuelle – insbesondere das Fotografische – ebenso einbezieht wie das Gesprochene, das Hörbare und das Körperliche, besitzt etwas Elektrisierendes.“

Pressemitteilung Wolfgang-Hahn-Preis 2017

Huang Yong Ping 2016

Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 2016 zeichnete die Gesellschaft für Moderne Kunst den chinesischen Künstler Huang Yong Ping aus.

Doryun Chong, Gastjuror des Wolfgang-Hahn-Preis 2016 und Chefkurator des M+ in Hong Kong über den Preisträger: „Zu meiner Begeisterung hat sich die Jury des Wolfgang-Hahn-Preis Köln 2016 für Huang Yong Ping entschieden. Seine nunmehr drei Jahrzehnte währende Laufbahn begann in den 1980er Jahren in China. In den 1990er Jahren hat er sie in Europa und später weltweit fortgesetzt und ausgedehnt. Er durchquerte viele Länder und Kulturen, und auch sein Werk durchquerte eine fantastische Vielzahl von Gebieten und Zeiten. Sein Œuvre ist eine einzigartige Leistung, bekannt für seine oft ehrfurchtgebietenden Maße, seine erstaunliche Ikonografie und seine strenge Intellektualität. Es hat unseren Blick ebenso verändert wie unser Empfinden dafür, wie wir in Geschichte und Welt existieren. Er ist zugleich ein meisterlicher Bildhauer wie ein Künder unserer Zeit.“

Die Gesellschaft für Moderne Kunst hat für das Museum Ludwig ein zentrales Werk Huangs aus dem Jahr 2004 erworben. Mémorandum: Bat Project I, II, III, 2001-2003 ist Skulptur und Archiv zugleich und dreht sich um Huangs große Bat-Projekte, deren Ausstellungen in China in 2001-2003 aus politischen Gründen verhindert wurden.

Huang Yong Ping im Museum Ludwig vor seinem Werk Mémorandum. Bat Project I, II, II, 2001-2003, 2004 © Huang Yong Ping, Foto: Jürgen Schulzki

Michael Krebber und R. H. Quaytman 2015

Erstmals in der 20-jährigen Geschichte des Wolfgang-Hahn-Preis und ohne eine Regel daraus machen zu wollen, ehrte die Auszeichnung in 2015 zwei Künstler zugleich: Michael Krebber und R. H. Quaytman.

Gastjuror Daniel Birnbaum, Direktor des Moderna Museet Stockholm, begründete die Entscheidung der Jury: „Die Diskussion in der Jury war sehr intensiv; es ging um die aktuellen Fragen zur Malerei heute. Quaytman und Krebber haben unabhängig voneinander ein sehr eigenständiges Oeuvre über viele Jahre geschaffen, das zugleich jedoch sehr bestimmend für die Zukunft der Malerei ist und jüngeren Generationen als Referenzrahmen dient. Die Entscheidung der Jury ist vielversprechend, mir kommt dazu Thomas Bernhards Stück 'Einfach kompliziert' in den Sinn.“

Für das Museum Ludwig erwarb die Gesellschaft für Moderne Kunst das Werk Preis, Kapitel 28, 2014 von Quaytman und die Arbeit MK/M 2015/05, 2015 von Krebber.

Michael Krebber und R.H. Quaytman im Museum Ludwig, Werk im Hintergrund: Krebber, Michael, MK/M 2015/06, 2015 © Michael Krebber, Foto: Jürgen Schulzki

Kerry James Marshall 2014

2014 erhielt Kerry James Marshall den Wolfgang-Hahn-Preis.

Gastjurorin Elena Filipovic, Senior Curator am Wiels Art Center in Brüssel, begründete die Jury-Entscheidung: „Kerry James Marshall ist ebenso sehr ein Maler für die Maler wie er ein scharfsinniger Gesellschaftskritiker ist. Er hat ein kompromissloses Werk geschaffen, das eng mit dem Medium Malerei verbunden ist und darüber hinaus Collage, Bildhauerei, Animation und Video umfasst. Seine Malerei sieht sich nicht nur tief mit der Tradition des Genres verbunden, sondern bezieht sich auch leidenschaftlich auf die Gegenwart – auf deren soziale Ungerechtigkeiten, Rassenbeziehungen, Machtverhältnisse und politische Realitäten. Kennzeichnend für sein Œuvre ist eine Erforschung der afroamerikanischen Kultur. Es ruft dazu auf, das in der Kunstgeschichte so lange ignorierte schwarze Subjekt darzustellen. Die Jury des Wolfgang Hahn-Preises ist stolz darauf, diesen afroamerikanischen Künstler auszeichnen zu dürfen, dessen Werk für eine der engagiertesten Positionen in der zeitge-nössischen Malerei steht.“

Die Gesellschaft für Moderne Kunst erwarb das Werk Vignette #15 aus dem Jahr 2014 für das Museum Ludwig.

Kerry James Marshall im Museum Ludwig vor seinem Werk Vignette #15, 2014 © Kerry James Marshall, Foto: Jürgen Schulzki

Andrea Fraser 2013

Im Jahr 2013 wurde Andrea Fraser mit dem Wolfgang-Hahn-Preis ausgezeichnet.

Gastjuror Yilmaz Dziewior, damals Direktor des Kunsthaus Bregenz, begründete die Jury-Entscheidung: „Andrea Fraser leistet seit mehr als 25 Jahren einen essentiellen Beitrag zu aktuellen Fragestellungen der zeitgenössischen Kunst. Frasers umfassendes Oeuvre – Performances, Videos und Texte – sind präzise Analysen genauso wie kritische, zum Teil auch humorvolle Kommentare zum Kunstbetrieb. Ihre Performances sind bis auf die letzte Geste recherchierte, choreographierte und von Andrea Fraser selber realisierte Aufführungen. Die Komplexität und Tiefgründigkeit ihrer Arbeit, bei der sich in vergangenen Jahren eine Hinwendung zu existenziellen und gesamtgesellschaftlichen Fragen feststellen lässt, ist mehr als Grund genug, dass Andrea Fraser mit dem Wolfgang Hahn-Preis 2013 ausgezeichnet wird.“

Die Gesellschaft für Moderne Kunst erwarb ein Konvolut von Videoarbeiten der Künstlerin.

Andrea Fraser im Museum Ludwig, zu sehende Werke: Fraser, Andrea: Schildkröte, 2001 (erstes Bild von links), Kunst muss hängen (Art Must Hang), 2001 (Videoprojektion) © Andrea Fraser, Foto: Jürgen Schulzki

Henrik Olesen 2012

In 2012 erhielt Henrik Olesen den Wolfgang-Hahn-Preis.

Die Gastjurorin Chus Martínez, Leiterin der Abteilung und Mitglied der Agenten-Kerngruppe der dOCUMENTA (13), begründete die Wahl: „Für Henrik Olesen ist es kein Ziel an sich, eine inhaltlich eindeutige Arbeit zu produzieren. Vielmehr entwickelt er durch das Aufbrechen von gegebenen Strukturen familiärer und kultureller Zugehörigkeit eine eigene Syntax und Darstellungsweise. Mit der Preisvergabe an Henrik Olesen würdigt die Jury eine Form von visueller Kultur, die mit der Erzeugung und dem Verbrauch von Bildern ebenso wie mit der Geschlechterthematik und Fragen des kulturellen Kontextes auf neuartige Weise an die Sammlung des Museum Ludwig anknüpft.“

Die Gesellschaft für Moderne Kunst erwarb für das Museum Ludwig mit der Installation Mr. Knife and Mrs. Fork von 2009 einen umfassenden Werkkomplex.

Henrik Olesen im Museum Ludwig, zu sehendes Werk: Olesen, Henrik: Mr. Knife and Mrs. Fork, 2009 © Henrik Olesen, Foto: Jürgen Schulzki

John Miller 2011

Der Wolfgang-Hahn-Preis 2011 ehrte den US-amerikanischen Künstler John Miller.

Ann Goldstein, Direktorin des Stedelijk Museum in Amsterdam und Gastjurorin für den Wolfgang-Hahn-Preis 2011, begründete die Entscheidung:

„Mit Empathie, Humor und verständnisvoller Beobachtung stürzt sich John Miller in den Wirbel des Alltagslebens. Daraus destilliert er die Allgemeinplätze, das so genannt „Normale“, und schafft Bilder von kultureller Praxis, deren Wirkung auf Individuen kritisch und poetisch zugleich sind. Seit mehr als dreißig Jahren arbeitet John Miller an einem bemerkenswerten Oeuvre aus Malerei, Skulptur, Photographie und Video. Verehrt von seinen Künstler-Kollegen und hochgeachtet als einer der bedeutendsten Künstler seiner Generation, werden Millers Arbeiten in Europa umfassend gesammelt.“

Zusammen mit dem Museum Ludwig erwarb die Gesellschaft für Moderne Kunst die zweiteilige Skulptur Self-Made Man, 2011, die John Miller eigens für das Museum Ludwig geschaffen hat, sowie ein Konvolut von Fotografien der Middle of the Day-Serie.

John Miller im Museum Ludwig, zu sehende Werke: Miller, John: Country Life, 2010 (Vordergrund), Everything Is Said #3, 2010 und Everything Is Said #6, 2010 © John Miller, Foto: Jürgen Schulzki

Peter Fischli und David Weiss 2010

Der Wolfgang-Hahn-Preis 2010 wurde an die Schweizer Künstler Peter Fischli und David Weiss verliehen.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Gesellschaft gelang der Ankauf einer substantiellen Werkgruppe gemeinsam mit dem Museum Ludwig und der Stadt Köln. Der Ankauf im Rahmen des Preises umfasst ein Konvolut von Fotografien aus der Airport-Serie, die von 1988 bis 2008 entstanden ist und banale Alltagsszenen auf nicht näher bezeichneten Flughäfen abbildet.

Außerdem wurde die Gipsskulptur 4 Frauen von 1989 erworben. Zudem haben Fischli/Weiss eine Radio-Installation in deutscher Sprache für das Museum Ludwig gestaltet.

„Fischli/Weiss zählen zu den einflussreichsten und vielleicht auch genialsten Künstlern der Schweiz. Sie wurden bekannt nicht nur für ihren bestechenden Humor und ihren 'reinen Blick' auf die Tatsachen der Dinge, sondern haben damit auch ganze Generationen von jungen Kunstschaffenden beeinflusst“, urteilte die Gastjurorin Heike Munder, Direktorin des Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich, über die beiden Künstler.

Peter Fischli und David Weiss bei der Urkundenübergabe © Gesellschaft für Moderne Kunst, Foto: Jürgen Schulzki
Fischli Weiss: 4 Frauen, 1989 und Ohne Titel, 1990-98, Installationsansicht Museum Ludwig 2010 © Peter Fischli David Weiss, Zürich 2016, Courtesy Sprüth Magers / Matthew Marks Gallery, New York and Los Angeles / Galerie Eva Presenhuber, Zürich, Foto: Jürgen Schulzki

Christopher Wool 2009

In 2009 erhielt Christopher Wool den Wolfgang-Hahn-Preis.

Aus Anlass der Verleihung des Wolfgang-Hahn-Preis Köln 2009 an Christopher Wool erwarb die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig zwei Siebdrucke auf Papier für das Museum Ludwig, beide von 2008. Die Unikate belegen in Zusammenhang mit dem abstrakten Gemälde Untitled, 2007, das sich bereits im Museum Ludwig befindet, Wools Arbeitsweise mit unterschiedlichen Medien.

Der Gastjuror in 2009, Dr. Ulrich Loock, damals Direktor des Museu Serralves in Porto, formuliert zum Werk des Künstlers: „Wool setzt seine Praxis der sukzessiven Neutralisierung von malerischen Bedeutungsträgern auch über die Grenzen des einzelnen Bildes hinweg fort. Zum malerischen Unikat, Resultat einer unwiederholbaren, unter dem Druck der begrenzten Trocknungszeit von aufgesprühter Lackfarbe realisierten malerischen Aktion, tritt die Reproduktion dieses Unikats auf der Basis eines photographischen Verfahrens, des Siebdrucks, hinzu. Damit hebelt Wool alle theoretischen Konstruktionen aus, die Konzepte wie Einmaligkeit und Reproduzierbarkeit, das Malerische und das Photographische, Autorenschaft und nicht-auktoriale Produktion in der Perspektive einer kulturellen Entwicklungsgeschichte gegeneinander ausspielen.“

Christopher Wool neben seinem Werk Untitled, 2007 © Christopher Wool

Peter Doig 2008

In 2008 erhielt Peter Doig den Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst.

Die neue großformatige Arbeit Man Dressed as Bat (Embah) von 2008, konnte die Gesellschaft für Moderne Kunst mit Beteiligung des Museum Ludwig und der Stadt Köln erwerben. Die Arbeit zeigt eine schemenhafte Figur mit zwei Flügeln, die vor einem monochromen, türkisgrünen Hintergrund steht, der wie mit einem milchigen Schleier verdeckt wirkt. Doigs vielschichtiges Gemälde bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Realität und Imagination. Er selbst sagt zu seiner Arbeit, „sie sei auf eine gewisse Art und Weise ein Gemälde über Karneval, aber sehr subtil. Port of Spain – Köln!“

Iwona Blazwick, Direktorin der Whitechapel Art Gallery und Gastjurorin in 2008, begründete die Entscheidung der Jury, die die Wahl aus rund 50 Vorschlägen traf: „Doigs magischer Realismus bringt die Malerei in unerforschte Territorien – dies macht ihn zu einem der bedeutendsten Maler seiner Generation.“

Peter Doig im Museum Ludwig vor seinem Werk "Man Dressed as Bat (Embah)", 2008 © VG Bildkunst, Bonn 2016, Foto: Jürgen Schulzki

Mike Kelley 2006

In 2006 wurde der Wolfgang-Hahn-Preis an Mike Kelley verliehen.

Im Rahmen des Ankaufspreises erwarb die Gesellschaft für Moderne Kunst die Arbeit Primal Architecture des Künstlers aus dem Jahr 1995. Die räumliche Installation, zu Deutsch Ur-Architektur, war Teil der Ausstellung Toward a Utopian Art Complex, die 1995 in New York stattfand.

Mike Kelley: Primal Architecture, 1995, Installationsansicht Museum Ludwig 2006 © VG Bildkunst, Bonn 2016, Foto: Jürgen Schulzki

Richard Artschwager 2005

2005 erhielt Richard Artschwager den Wolfgang-Hahn-Preis.

Im Rahmen des Ankaufspreises wurde die Arbeit Janus III (Elevator), 1983/2005 erworben. Es handelt sich dabei um eine Installation, die Artschwagers Schaffen - skulptural, wahrnehmungspsychologisch, hintergründig - besonders schön subsumiert.

„Das Kombinieren und Verschränken von ästhetischen Aspekten und Medien ist eine wesentliche Eigenart von Richard Artschwagers Kunst, die, bei aller scheinbaren Einfachheit ihrer Formen, unsere ganze Aufmerksamkeit fordert“, erklärt Charles Esche (Direktor Van Abbe Museum Eindhoven), der 2005 als Laudator und Gastjuror fungierte.

Richard Artschwager: Janus III (Elevator), 1983/2005, Installationsansicht Museum Ludwig 2005 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Lothar Schnepf

Rosemarie Trockel 2004

Der Wolfgang-Hahn-Preis 2004 wurde an Rosemarie Trockel verliehen.

Im Rahmen des Ankaufspreises wurde ein monochromes Strickbild mit dem Titel Wasser, 2004 erworben. Ein monochromes, aber durch die verschiedenen "Stricktemperamente" nicht ganz homogen strukturiertes Bild, welches auf einen mit Leinwand bespannten Rahmen aufgezogen und dann nochmals von einem hellen Rahmen eingefasst ist.

Die Gastjurorin Dr. Silvia Eiblmayr, damals Leiterin der Galerie im Taxispalais Innsbruck, zu der angekauften Arbeit: „Hergestellt mit einem ganz spezifischem Konzept einer "Malmaschine" wird das Strickbild seine vielfältigen Referenzen zu den Ikonen des Museums Ludwig finden, aber auch mit ästhetischem Witz zu dem Steinboden, dessen Farbe es aufnimmt. Auch hier wie in ihrem gesamten Werk liegt die große Kunst von Rosemarie Trockel in ihrem umfassenden erkenntnis-kritischen wie auch poetischen Wissen um die Dinge und deren Form, denen sie einerseits in einer faszinierenden Form ganz nahe ist, und zu denen sie in Verschiebungen, Umkehrverfahren und Brechung aber wieder er auf Distanz geht.“

Rosemarie Trockel: Ohne Titel (Wasser), 2004 © VG Bildkunst, Bonn 2016 und Courtesy Sprüth Magers, Foto: Fotostudio Schaub (Bernhard Schaub / Ralf Höffner)

Niele Toroni 2003

Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 2003 wurde Niele Toroni geehrt.

Im Rahmen des Ankaufspreises wurde die vierteilige Arbeit o.T. (rotes, grünes, blaues und schwarzes Tableau, 1993, Acryl auf Leinwand, je 420 x 160 cm) für das Museum Ludwig erworben.

„Es gibt den gleichen Pinsel, den gleichen Ausdruck mit Farbe und das gleiche Maß von dreißig Zentimetern – aber keine weiteren Appelle, keine Metaphysikvorstellungen, keine inhaltliche Botschaft, keine zu erlernende Logik dazu“ erklärt der Gastjuror Dr. Thomas Kellein, damals Direktor der Kunsthalle Bielefeld, Toronis Werk. „Das Pinselabdruckverfahren lebt durchaus von der friedlichen, mal auch der spannungsvollen, mal der lasziven, mal der bühnenhaften Koexistenz. Die Farbflecken sind immer weniger autonom. Sie stehen gut oder weniger gut neben anderer Kunst oder allein inmitten von Architektur. Fast alles wird vom Künstler erstaunlich toleriert.“

Niele Toroni: Ohne Titel, 1993, (4 Gemälde, zu sehen: rotes Tableau, blaues Tableau), Installationsansicht Museum Ludwig 2003 © Niele Toroni und Courtesy Kewenig Berlin | Palma, Foto: Lothar Schnepf

Isa Genzken 2002

Isa Genzken erhielt den Wolfgang-Hahn-Preis 2002.

Die Arbeit Venedig, 1993 (zweiteilig, Epoxidharz, Stahl, je 350 x 130 x 9 cm) wurde als Ankaufspreis für das Museum Ludwig erworben.

Der Gastjuror Poul Erik Tøjner, Direktor Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, äußerte sich wie folgt zur Arbeit der Künstlerin: „Konfrontiert mit Isa Genzkens Seismographen wird einem das Ausgesetztsein verschärft bewusst und erst in diesem Ausgesetztsein kann ihr Werk als Antwort auf die von diesem selbst aufgeworfene Frage empfunden werden. Über ihre Arbeiten im großen Raum, im öffentlichen Raum sagt sie selbst: das Ziel ist etwas zu machen, was diesem Ort, diesem bestimmten Platz fehlt. Natürlich ist es eine Pointe, dass das Kunstwerk sozusagen gleichzeitig den Mangel kompensiert, indem es ihn sichtbar macht. In diesem Sinn gibt Isa Genzken die Antwort, indem sie die Frage stellt.“

Isa Genzken: Venedig, 1993, Installationsansicht Museum Ludwig 2002 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Raymond Pettibon 2001

In 2001 wurde Raymond Pettibon mit dem Wolfgang-Hahn-Preis ausgezeichnet.

Im Rahmen des Ankaufspreises wurde eine Werkgruppe von Zeichnungen des Künstlers erworben.

Die Gastjurorin Susanne Ghez, Leiterin der Renaissance-Society der University of Chicago zum Werk von Pettibon: „Die Bildsprache von Pettibon ist genau das: Bild plus Sprache. Nicht der künstlerische Duktus, vielmehr die Kombinatorik von Bild und Text macht den besondere Reiz seiner Zeichnungen aus. Sie leben von der unnachahmlichen Ästhetik dieser Zusammensetzung, die das Trennende, Fragmentarische, Nicht-hierarchische, Alles-einschließende, hervorhebt und sich dem Überraschungsmoment, dem ironisch-witzigen, dem Banal-alltäglichen wie dem Literarisch-philosophischen treffsicher bedient.“

Raymond Pettibon, Konvolut von 19 Zeichnungen, 1983-2001, Installationsansicht Museum Ludwig 2001 © Raymond Pettibon und Courtesy Regen Projects, Los Angeles, Foto: Lothar Schnepf

Hubert Kiecol 2000

Der Wolfgang-Hahn-Preis 2000 wurde an Hubert Kiecol verliehen.

Für die Sammlung des Museum Ludwig konnte die Arbeit Wege, 1992 (Holz, Farbe, ca. 150 x 300 x 300 cm; 132 Teile) erworben werden.

Gastjuror Fabrice Hergott, damals Generaldirektor der Museen zu Strasbourg, äußerte sich wie folgt über die Wahl in 2000: „Zwischen Materialität und Traum ist das Werk von Hubert Kiecol eine geduldige Herausstellung unserer Obsessionen. Es zeigt die Strukturen unserer Beziehung zur Welt wie Röntgenstrahlen die Knochen von Lebewesen. Still und friedlich weckt es in uns die Gewissheit, dass Schönheit ein unerlässliches Substrat ist.“

Hubert Kiecol: Wege, 1992, Installationsansicht Museum Ludwig 2000 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Pipilotti Rist 1999

Die Preisträgerin des Wolfgang-Hahn-Preis 1999 war Pipilotti Rist.

Im Rahmen des Ankaufspreises wurde die Video-Installation Eine Spitze in den Westen, ein Blick in den Osten, 1999 erworben.

Die Gastjurorin Bice Curiger, damals Kuratorin am Kunsthaus Zürich, begründet die Wahl mit den Worten: „Video heißt, ich sehe. Und Pipilotti Rist lenkt ihr grundsätzliches konstatierendes Sehen agil in die relevanten Wirklichkeiten. Wie im Traum führt sie uns vor Augen, was dies im Zeitalter der Television und der visuellen Permanentmassage ganz eigentlich heißt. Wenn in unserer Epoche das Visuelle und das Sichtbarmachen die dominanten Kräfte sind, so ist Rists anthropologischer Blick gleichzeitig sezierend von außen kommend, aber auch tiefinnerlich, und von den Farben der Sinnlichkeit und des Pop geprägt.“

Pipilotti Rist: Eine Spitze in den Westen, ein Blick in den Osten, 1999, Installationsansicht Museum Ludwig 1999 © Pipilotti Rist und Courtesy Galerie Hauser & Wirth and Luhring Augustine, New York, Foto: Lothar Schnepf

Franz West 1998

In 1998 wurde der Wolfgang-Hahn-Preis an Franz West verliehen.

Die Gesellschaft für Moderne Kunst erwarb vom Künstler die Installation Kantine, 1998, bestehend aus 25 Tischen und 100 Stühlen. Die Installation wurde zur temporären Nutzung in der Cafeteria des Museum Ludwig eingerichtet.

Der Gastjuror Veit Görner, damals Kurator am Kunstmuseum Wolfsburg, über den Künstler: „West ist für mich in erster Linie ein 'User Producer'. Was das Machen betrifft, was seine Materialien betrifft, und was in vielen seiner Arbeiten auch die Zweckintention betrifft. Sein künstlerisches Machen begreife ich als eine Form des Herstellens und Handelns aus einem Partizipationsprinzip heraus, dass das andere – andere Menschen mit anderen Gedanken, anderen Vorstellungen, Fertigkeiten und Befindlichkeiten – sowohl bei der Herstellung als auch beim Umgang mit den Kunstwerken einschließt.“

Franz West: Kantine, 1998, Ausstellungsansicht Museum Ludwig 1998, Werk im Hintergrund: Perjovschi, Dan: Naked Drawings, 2005 © Archiv Franz West und Dan Perjovschi, Courtesy Galerija Gregor Podnar

Cindy Sherman 1997

Die Künstlerin Cindy Sherman wurde im Jahr 1997 mit dem Wolfgang-Hahn-Preis ausgezeichnet.

Im Rahmen des Ankaufspreises wurden drei Werke Untitled (# 222), 1990, Untitled (# 152), 1985 und Untitled (# 255), 1992 (jeweils Farbfotografien) erworben.

Die Gastjurorin Katharina Schmidt, damals Direktorin der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, äußerte sich wie folgt über die Arbeit der Künstlerin: „Von Anbeginn setzte Cindy Sherman ihre außerordentliche Verwandlungsfähigkeit ein, um als ihr eigenes Modell und ausschließlich mit Mitteln der Fotografie (gelegentlich auch des Films) ihre einprägsamen Bilder zu gestalten. Indem sie offizielle Rollenbilder durch tabuisierte Ausdrucksformen verschiedener Gemüts- und Geisteszustände ihrer Repräsentantinnen aufbricht, macht Cindy Sherman menschliche Verelendung, Leiden, Wahn dort deutlich, wo Glamour und schöner Schein sie negieren. Schillernde Kompositionen thematisieren Märchen, Phantasmagorien, Szenen des Monströsen und des Grauens. Alle Gestalten Cindy Shermans, die heilen wie die unheilen, die von ihr selber Dargestellten ebenso wie die Surrogate, evozieren eine Geschichte; in ihr erscheinen sie gefährdet, bedroht.“

Cindy Sherman: Untitled (# 222), 1990 © Cindy Sherman und Courtesy Sprüth Magers Berlin/London

Günther Förg 1996

Den Wolfgang-Hahn-Preis 1996 erhielt Günther Förg.

Im Rahmen des Ankaufspreises wurde das Werk Ohne Titel, 1995 (Acryl auf Leinwand, 400 x 600 cm) erworben.

„Förg entführt den Betrachter in die dunkle Welt der antiken Mysterien, belässt ihm aber die Illusion, er schreite durch einen Ausstellungssaal mit bürgerlicher moderner Kunst. Scheinbar hält er sich an die Spielregeln der Avantgarde, um über sie in eine archaische unvermittelte Bildvorstellung einzutauchen“ so der Gastjuror Veit Loers, damals Direktor des Museum Abteiberg, Mönchengladbach.

Günther Förg: Ohne Titel, 1995 © Estate Günther Förg, Münchenstein, Schweiz, Courtesy Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt am Main

Lawrence Weiner 1995

Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 1995 wurde Lawrence Weiner geehrt.

Die Arbeiten To Build a Square in the Rhineland, 1995 (Stahlplatte eingelassen, 135 x 135 x 3,5 cm) und To Build a Square in the Rhineland, 1995 (Zeichnung) wurden vom Künstler erworben.

Der Gastjuror Rudi Fuchs, damals Direktor des Stedelijk Museum in Amsterdam äußerte sich zum Künstler wie folgt: „Lawrence Weiner hat seine Kunst gelöst von der Schwere der Ästhetik. Sie ist keine statische Form, sondern eine blitzende, freie Redensart, die sichtbar wird auf jede gewünschte Weise. Diese Kunst lebt, wie ein Guerillero, vom Land und bewegt sich heimlich; ihre Erscheinung ist immer wieder eine Überraschung.“

Lawrence Weiner: To Build a Square in the Rhineland, 1995 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

James Lee Byars 1994

Mit dem ersten Wolfgang-Hahn-Preis wurde im Jahr 1994 James Lee Byars ausgezeichnet.

Für das Museum Ludwig wurden die Arbeiten The Thinking Field of 100 Spheres von 1989 bestehend aus 100 weißen Marmorkugeln von ca. je 20 cm Durchmesser sowie The Perfect Smile (Performance, 1994) erworben.

Joachim Sartorius, damaliger Leiter des Künstlerprogrammes des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und Laudator, zum Werk des Künstlers: „Würde man mich fragen, in welchem einen Satz man das Werk James Lee Byars fassen, zusammenfassen könnte, so würde ich sagen: Es ist eine spezifische, fragende Suche nach dem Schönen, dem aufblitzenden, jäh auftauchenden Schönen. Man könnte auch sagen: dem Erhabenen. Man könnte auch sagen dem Vollkommenen. [...] Tatsächlich wurzeln Byars Werke oft in einer Zone der Erfahrung, die vor der Sprache angesiedelt ist.“

James Lee Byars: The Thinking Field of 100 Spheres, 1989, Installationsansicht Museum Ludwig 1994 © The Estate of James Lee Byars, Courtesy Galerie Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York