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Katja Novitskova - Approximation (shoebill) und Growth Potential (SALTS)

2015

Katja Novitskova wurde 1984 in Tallinn, Estland geboren. Nach ihrem Bachelor in Semiotik und Kulturwissenschaften an der Universität Tartu (EE) schloss sie ihren Master of Science in digitalen Medien an der Universität Lübeck ab. Für ihre Arbeiten greift Novitskova auf ein breit gefächertes Repertoire an organischen und technischen Materialien zurück, darunter Kautschuk, Aluminium, Fotografie aber auch Insekten. Thematisch befasst sie sich mit neuzeitlichen Phänomenen des Internets und der Wissenschaft. So reinszeniert sie etwa die Produktions- und Rezeptionswege von Bildern in sozialen Netzwerken. Insgesamt lässt sich Novitskovas Werk der Post-Internet-Art zuordnen.

Katja Novitskova: Approximation (shoebill), 2014 © Courtesy the artist and Galerie Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin, Foto: Jürgen Schulzki
Katja Novitskova. Growth Potential (SALTS), 2014 © Courtesy the artist and Galerie Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin, Foto: Jürgen Schulzki

Approximation (shoebill), 2014
Bei dem Werk Approximation (shoebill), 2014 handelt es sich um das überlebensgroße Abbild eines Schuhschnabels, einer afrikanischen Vogelart, das als Cutout eines Digitaldrucks auf Aluminium ausgeführt wurde. Novitskova hat bereits vielfach solche visuellen Fundstücke aus dem Internet technisch reproduziert und in den Galerieraum gestellt. Anschließend werden sie erneut abfotografiert und zurück ins Netzt gestellt. Das die Wahl dabei oft auf „niedliche“ Exemplare der Tierwelt fällt, hängt weniger mit den Geschöpfen selbst zusammen. Vielmehr handelt es sich bei den Motiven um eines der meist verbreitetsten Bildmaterialien im Internet. Das besondere Interesse der Künstlerin liegt darin, das dynamische Eigenleben ihrer Abbilder darzustellen – sie werden solange gepostet, verlinkt und auf sozialen Netzwerken geteilt, bis ihre Herkunft nicht mehr nachvollziehbar ist.

Growth Potential (SALTS), 2014
Der aus Urethankautschuk gefertigte Pfeil Growth Potential (SALTS), 2014 ist kein Einzelstück im Werk der Künstlerin. Optimistisch nach oben strebende Pfeilspitzen aus Acrylglas oder Gummi scheinen die Approximations von Katja Novitskova regelrecht zu umzingeln. Die Bilanzkurven ähnelnden Pfeile beziehen sich auf die Bilderflut im Netz und stellen zudem die Frage nach dem ökonomischen Potenzial von Dingen, Wesen und Bildern. In dem Kunstwerk eingegossene Fliegen erinnern an in Bernstein eingefasste Insekten und erzählen als prähistorische Zeitzeugen davon, dass sie die Reise aus der realen in die virtuelle Welt nicht überlebt haben. Die Künstlerin lenkt das Augenmerk auf die Materialität der Medien und Datenströme und ihre aktive Rolle bei der Definition der Welt, die wir als Wirklichkeit wahrnehmen.

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