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Charlotte Posenenske - Ohne Titel (Rasterbild), Ohne Titel (Spritzbild)

2013

Charlotte Posenenske (1930-1985) studierte Kunst an der Stuttgarter Akademie unter Willi Baumeister und arbeitete dann bis 1955 als Bühnenbildnerin und Kostümdesignerin. Die Erfahrung am Theater und ihr großes Interesse an (Bühnen-)Architektur haben ihre künstlerische Arbeit eindrücklich geprägt. Weitere Einflüsse waren die strengen geometrischen Formen und industriellen Materialien der amerikanischen Minimal Art. Ihre Skulpturen sollten „immer weniger als Kunstwerke“ wahrgenommen werden. 1986 kehrte sie der Kunst den Rücken. Sie studierte fortan Soziologie und widmete sich zahlreichen sozialen Projekten.

Durch ihre posthume Teilnahme an der documenta 12 wurde Charlotte Posenenskes Werk 2007 wiederentdeckt. Ihre Werke sind heute in zahlreichen renommierten Sammlungen wie dem MoMA in New York, der Tate Modern in London und dem Centre Pompidou in Paris vertreten.

Charlotte Posenenske: Ohne Titel (Rasterbild), 1957 © Nachlass Charlotte Posenenske und Courtesy Galerie Mehdi Chouakri und Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf und Berlin, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Schlier, Britta, rba_d035141
Charlotte Posenenske: Ohne Titel (Spritzbild), 1965 © Nachlass Charlotte Posenenske und Courtesy Galerie Mehdi Chouakri und Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf und Berlin, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Schlier, Britta, rba_d035143

Ohne Titel (Rasterbild), 1957
Bevor sich Charlotte Posenenske Mitte der 60er Jahre der Skulptur widmete, arbeitete sie überwiegend mit Papier. Ihre Rasterbilder stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen ihrem frühen malerischen Werk und den späteren dreidimensionalen Arbeiten dar. Bei der Arbeit Ohne Titel (Rasterbild), 1957 handelt es sich um ein 40,5 cm x 30,5 cm großes Blatt im Hochformat. Auf ihm wurden sorgfältig 161 Kreise im schematischen Raster mit Bleistift aufgezeichnet, die jeweils zur Hälfte mit mattschwarzer Plakafarbe ausgefüllt wurden. Der zunächst auffallende Topos der Serialität wird durch die Unvollkommenheit und Verschiedenheit der Ausmalung gebrochen.

Ohne Titel (Spritzbild), 1965
In der weitaus späteren Arbeit Ohne Titel (Spritzbild) von 1965 wurde die schwarze Farbe mit Hilfe einer Spritzpistole auf eine Hartfaserplatte gebracht. Die Verwendung der Pistole verdeutlicht die Experimentierfreudigkeit Charlotte Posenenskes. Zugleich ist in ihrem Gebrauch die wachsende Distanz der Künstlerin zu ihrem Arbeitsmaterial angelegt. Als Vertreterin der Minimal Art entspringt ihre Ästhetik weniger einem spontanen, gestischen Ausdruck, als einer der Industrie entlehnten Vorgehensweise, die dem Betrachtenden einen Assoziationsraum öffnet.

Die reduktionistische Tendenz der Künstlerin wird in ihrem Leitsatz „less is more“ zusammengefasst.

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