Erwerbungen
Francis Alÿs - Ohne Titel
2023
Mit seinen gesellschaftskritischen Arbeiten legt Francis Alÿs die Widersprüche und Absurditäten unserer alltäglichen Lebenswelten offen. 1959 in Antwerpen, Belgien, geboren, entwickelt Alÿs ein Werk, das tief im Politischen verwurzelt ist und gleichzeitig eine poetische Dimension entfaltet. Seine Kunst nimmt oft die Form subtil inszenierter Handlungen und performativer Gesten an, mit denen er komplexe soziale Realitäten und ungleiche Machtverhältnisse erfahrbar macht. Widersprüche politischer und kultureller Regimes werden dadurch genauso erfahrbar wie die seiner eigenen ästhetischen Produktionen, die Alÿs formuliert und zugespitzt darstellt.
Sein Werk Ohne Titel entstand im Rahmen des sogenannten The Sign Painting Project (1993–1997). In dieser vierjährigen Serie malte Alÿs eine wiederkehrende Figur eines Mannes im Anzug auf kleinformatigen Leinwänden im Stil der Emaille-Werbetafeln („Rótulos“) der Schildermaler in Mexiko-Stadt. Die Rotulistas waren zur Entstehungszeit der Serie ein prägender Bestandteil des urbanen Lebens in Mexiko. Parallel ließ er die Schildermaler Juan García, Emilio Rivera und Enrique Huerta Kopien, Vergrößerungen und eigene Interpretationen der Motive auf Emaille-Platten anfertigen, auf die er wiederum mit eigenen malerischen Variationen antwortete. Er verglich den kreativen Prozess mit dem Kinderspiel Stille Post, bei dem sich die ursprüngliche Botschaft im Verlauf verändert und transformiert. Alÿs reagierte damit auf sein Unbehagen gegenüber kunstimmanenten Werten wie Originalität und den gängigen Wertschöpfungsketten des Kunstbetriebs.